Zu Händels Coronation Anthems ("Krönungshymnen")


Händel vertonte 1710 drei lateinische Psalmen, darunter das berühmte "Dixit Dominus". Kurz nach seiner Ankunft in England schrieb er Anthems (geistliche Chormusik) für die königliche Kapelle in London. Wahrscheinlich war es das neue Königspaar Georg II. und Caroline, das Händel mit der neuen Musik für die Krönungsfeierlichkeiten beauftragte. Die vier Anthems wurden am 11. Oktober in Westminster Abbey uraufgeführt. Trotz der mittelmäßigen ersten Aufführung wurden die Werke sehr bekannt und sind bis heute sehr beliebt. "Zadok the Priest" wird seit dem ersten Mal im Jahr 1727 bei jeder Krönung gesungen.

Mit der Gattung des Anthems distanzierte sich die anglikanische Kirche von der lateinisch liturgisch gebundenen Sprache und erfüllte damit die berechtigte Forderung nach besserer Verständlichkeit des Bibelwortes. Händels Anthems sind aufgrund ihres barocken Kolossalstils zugleich prunkvolle Repräsentationsmusiken, in denen Trompeten einen unverzichtbaren Part einnehmen. Die Anthems Nr. 1, 3 und 4 stehen daher folgerichtig in der "Königstonart" D-Dur und sind mit Trompeten besetzt. Das zweite Anthem "Let thy hand be strengthened" erklang zur Krönungszeremonie. Ihm liegen die Worte des 89. Psalms zugrunde. Der zweite Teil (Larghetto) steht in e-Moll und benennt die Tugenden eines Regenten: Weisheit, Wahrheit Gnade und Recht.

Zur zeremoniellen Salbung wurde das erste Anthem "Zadok the Priest" nach den Versen des 1. Buchs der Könige (V. 38-40) gesungen. In dem siebenstimmigen homophon gesetzten Chor frohlockt das Volk und rühmt seinen Herrscher mit dem rhythmisch akzentuierten jubelnden Ausruf "Long live the King".

Das dritte Anthem erklang zur eigentlichen Krönung König Georgs II. nach den Worten des 21. Psalms. Zur Krönung Carolines erklang das vierte Anthem "My heart is indighted", das Verse aus dem 49. Psalm vertont.

Der Stil der Anthems folgt der barocken Tonsprache. Die Wechsel polyphoner und homophoner Abschnitte, hüpfende punktierte Rhythmen zum Ausdruck der Freude, wiegende Triolen und lange Haltetöne der Oboe zum Ausdruck pastoraler Stimmungen, die Adagio-Verbeugungen vor dem Herrscherpaar am Ende aller vier Anthems zeigen wie wirkungsvoll Händel barocke Affekte zum Lob der Herrscher und zur Repräsentation des Königshauses einsetzt.